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  1. Wo ich am liebsten schlafe

    Wo ich am liebsten schlafe.

    Von Dr. Stephan Demmrich, Chefredakteur Wohn!Design

    Die Fotos entstanden gestern auf die Schnelle in meinem Schlafzimmer. Den Sekretär haben mir meine Eltern zum Abitur geschenkt. Die Grafik an der Wand trägt den Titel „Raumbild II“ und ist eine Arbeit von Werner Höll aus dem Jahr 1969. Ich habe sie vor vielen Jahren auf einer Auktion hier in Stuttgart ersteigert. Die Wandfarbe habe ich zusammen mit einem Künstlerfreund ausgewählt: „French Grey“ von Farrow & Ball – eigentlich kein Grau, sondern eher ein Schlammgrün. Es passt perfekt zur Entstehungszeit unseres Wohnhauses gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Den Bücherstapel neben mir, meist Kunst- und Architekturtitel, setzt eine Wandleuchte von Bestlite ins richtige Licht.


    Ehrlich gesagt liege ich nie mit Klamotten auf dem Bett, das mag ich genauso wenig wie Frühstücken im Bett. Doch worauf ich mich jeden Tag aufs Neue freue, ist der Moment, an dem ich mich unter meiner Decke „verkrümele“ und innerhalb weniger Minuten in den Tiefschlaf falle. Im Normalfall passiert das nach Mitternacht, in Ausnahme-Situationen wie bei Heftschluss auch erst gegen zwei Uhr. Mein Schramm-Bett ist meine persönliche Ruheinsel und begleitet mich schon über ein Jahrzehnt. Davor habe ich in einem Aluminiumbett geschlafen auf einer orthopädischen Matratze mit der Dicke einer leichten Turnmatte aus Schulzeiten. Rückblickend recht sportlich. Morgens mit warmen Füßen kaltes Metall zu berühren, ist eine meiner Erinnerungen aus dieser Zeit genauso wie das harte Alurohr, das beim Lesen irgendwie immer im Weg war. Heute fällt mir das Aufstehen wesentlich schwerer, und ich kämpfe mit dem Radiowecker um jede Minute. Das liegt ganz klar am Liegekomfort, möglicherweise aber auch am Alter. Es hat allerdings etwas länger gedauert, mich für ein Boxspring-Bett zu erwärmen:
    Den Kontakt zu Angela und Axel Schramm machte meine damalige Wohn!Design-Kollegin Helene Schwab, die mich auf der Kölner Möbelmesse mit den Worten zur Seite zog: „Ich muss Dir eine ganz tolle Firma zeigen. Die Besitzer sind echte Feingeister. Du wirst begeistert sein.“ Sie hatte Recht, wie sich bei einer Runde Leberwurstschnittchen und Pfälzer Wein zeigte. Mir gefiel und gefällt die Bodenständigkeit des Paares, seine Herzlichkeit und Aufmerksamkeit, doch genauso sein Umgang mit den Mitarbeitern. Für mich ist das Thema Unternehmenskultur ein ganz wichtiges Kriterium für die Beurteilung einer Marke. Objekte, die in einem positiven Umfeld entstehen, haben „Good Vibrations“. Umso wichtiger, wenn es sich um Dinge handelt, die uns lange begleiten sollen. Davon bin ich als Designjournalist und „alter Hase“ inzwischen überzeugt.
    Der Rundgang über den Messestand war damals echtes Neuland für mich. Natürlich kannte ich den Begriff „Taschenfederkernmatratze“, aber spätestens beim Thema Ofenvergütung von Metallfedern war ich raus. Inzwischen weiß ich, dass die thermische Behandlung einen Einfluss auf ihre spätere Elastizität hat. Natürlich ließ sich der Komfort des Zwei-Matratzen-Systems nicht bei einem kurzen Probeliegen im Messetrubel beurteilen.
    Die Wirkung eines perfekt auf eine Person abgestimmten Boxspringbetts wurde mir erst ein paar Monate später bewusst, als sich eine Fotografin von uns bei einem Shooting in ein Schrammbett verliebte. Damals litt sie unter extremen Rückenbeschwerden und wechselte drei bis viermal in der Nacht ihre Schlafstelle: Ihr wiederkehrender Exkurs führte sie aus dem Ehebett auf ein Sofa im Wohnbereich von dort zu einem Sessel und zurück. Einige Tage nach der Lieferung ihres neuen Betts trafen wir sie zu einem Abendessen und waren erschreckt über ihre „unerträgliche“ Power: „Ich kann Bäume ausreißen“, rief sie laut, zwickte die Gäste und sprang um den Tisch herum. Sie lachte und war dabei ausgelassen wie ein Teenager. Keine Rückenprobleme mehr und munter wie ein Fisch im Wasser. Wenn die richtige Matratze zu einer so derartigen Verjüngung und Energieausschüttung führen konnte, dann wollte ich auch ein Boxspring-Bett haben!
    Den tatsächlichen Ausschlag für mich gab die Besichtigung der Schramm-Manufaktur in Winnweiler. Die rein handwerkliche Produktion, das Engagement der einzelnen Mitarbeiter und das ganze Drumherum haben mich echt beeindruckt. Insbesondere die Sauberkeit in den Hallen, von der einige Mitbewerber nur träumen können. Da lag kein Fusel auf dem weißen Boden. Und alles „Made in Germany“. Mit vielen Eindrücken und einem Stapel von Katalogen und Presseunterlagen zurück in Stuttgart fand ich das passende Bett: „Origins Basis“ in Kombination mit dem Betthaupt „Lago“. Das Modell gefällt mir immer noch am besten, weil es eine hohe Bodenfreiheit hat und durch seine Proportionen und die grazilen Holzfüße elegant wirkt. Lederbezüge gab es damals bei den Schramm Werkstätten noch nicht, und so brachte ich drei Bio-Kuhhäute von einer süddeutschen Gerberei mit. Sonderanfertigungen kommen bei Schramm immer wieder vor – ein Qualitätskriterium. Heute ist Leder fester Teil der Kollektion. Das Material bietet den Vorteil, dass es in Würde altert. Einmal im halben Jahr trage ich eine gute Pflege auf – das war’s.


    Natürlich gibt es viele Unternehmen, die Boxspring-Betten produzieren. Aber kaum eines fertigt so formschöne und raffinierte Modelle. Mit den eher klobigen Exemplaren, wie man sie aus Nobelhotels kennt, haben Schramm-Betten nichts gemein. Über die Jahre hat die Manufaktur mit Unterstützung guter Designer, aktuell mit Sebastian Herkner, ihre Modellpalette kontinuierlich erweitert und modifiziert. Dazu kam eine erlesene Bettwäsche-Kollektion und kürzlich eine erste Home Collection. Wohnlicher kann Schlafen nicht aussehen.
    Unser Magazin Wohn!Design begleitet die Entwicklung der Schramm Werkstätten seit mehr als 15 Jahren. Es macht große Freude, die stilsicheren Looks von Angela Schramm anzuschauen oder den neuesten technischen Clou ihres Ehemanns Axel zu begutachten. Frau Schramm hat einen exquisiten Geschmack und ein sicheres Auge, wenn es um Arrangements, Bettenformen und die Auswahl der passenden Wäsche geht. Das inspiriert auch mich als Redakteur. Herr Schramm ist in Sachen Technik und Matratzen ein wandelndes Lexikon, der genauso über andere Bettsysteme abgrundtiefe Kenntnisse besitzt. Aus diesem Grund genießt die Marke Schramm Werkstätten bei uns als Magazin, doch genauso im Fachhandel einen ausgezeichneten Ruf.
    In den vielen Jahren ist aus gegenseitiger Wertschätzung eine Freundschaft gewachsen, die auf Vertrauen und Offenheit basiert. Dazu gehört auch, nach der geschätzten Meinung seines Gegenübers zu fragen – sei es zu einem neuen Modell oder zur aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift. Darauf bin ich stolz. In der Einrichtungsbranche ist das keinesfalls selbstverständlich. Übrigens liege ich hier nicht auf Schramm-Bettwäsche. Die petrolfarbenen Kissen sind von Luiz (auch „Made in Germany“), die Streifenbezüge habe ich bei Urbanara, einem Internet-Shop, entdeckt und das Kissen mit dem Ungeheuer kreierte Timorous Beasties aus Glasgow.

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  2. Bettgeschichten No. 3

    Was ist los in deutschen Hotelbetten?

    Von Stefanie von Wietersheim

    Was haben Sie bei Ihrer letzten Reise im Hotelzimmer oder Hotelbett vergessen? Gürtel mit Monogramm, Lieblingslippenstift oder den heiligen Kuschelbären des Kindes, dessen Abwesenheit natürlich Brüllattacken auslöst? Und haben Sie überhaupt gut geschlafen, in Ihrem Design-Hotel in Berlin, auf der Geschäftsreise im Wolkenkratzer von Bombay oder im Spa-Retreat auf Sylt? Haben Sie sich grauenvoll hin- und her gewälzt? Oder hätten Sie das Hotelbett gleich am liebsten mitgenommen?

    Die Deutschen kennen sich mit fremden Betten aus, denn sie sind immer noch unter den Reiseweltmeistern. Im Jahr 2015 unternahmen 54 Prozent aller Deutschen laut dem Internet-Portal Statista eine Reise von wenigstens fünf Tagen. Deutschland lag dabei als Ziel an der Spitze: jeder Dritte reiste im eigenen Land, gefolgt von Spanien, Italien und der Türkei. In Deutschland allein wurden im Jahr 2015 rund 436 Millionen Übernachtungen gezählt. Aber sind die Deutschen auch Schlafweltmeister in Hotelbetten?

    Deutsche Hoteliers bemühen sich immer mehr um echten Schlafkomfort, investieren in Matratzen, unterschiedlich weiche Kissen und schöne Plaids. Denn die Konkurrenz in der Branche ist hart - und was ist wichtiger als guter Schlaf? Ist doch das Hotelzimmer auf Reisen unser verlängertes Zuhause, das Hotelbett die Oase, in der wir ankommen nach langen Reisetagen in der Bahn, wo wir uns ausruhen nach stundenlangen Besichtigungen oder nicht enden wollenden Konferenzen in stickigen Räumen.

    (Doch haben Sie bei der Ankunft in einem Hotel schon einmal genau darüber nachgedacht, in was für einem Bett Sie eigentlich schlafen werden? Schon mal den Unterbau eines Bettes untersucht, das Laken gelupft und geschaut, ob Sie auf Latexmatratzen oder Boxspring liegen, anti-allergisch bezogen, weich, hart, hoch oder tief??)

    „Das erste, was ein Hotel verkauft, ist guter Schlaf“, ist Hoteldirektorin Christiane Lösch vom 4-Sterne-Hotel „Kloster Hornbach“ in der Pfalz überzeugt. Sie investierte bei Eröffnung ihres Hauses schon als Jungunternehmerin in Betten aus dem Hause Schramm. „Man bekommt bei normalen Hotelausstattern Matratzen schon ab 400 Euro, aber wir haben bewusst eine ganz andere Liga gewählt. Gerade da wir ein Landhotel sind, müssen die Gäste bei uns besonderen Komfort bekommen. Das lohnt sich.“ (Dass Hoteliers sich für das gute Schlafen interessieren, zeigt sich ihrer Ansicht auch auf der zunehmenden Zahl von hochwertigen Bettenherstellern auf Hotelmessen).

    Denn abgesehen von schicken Kopfteilen, knisternder weißer Bettwäsche, eleganten Lampen – vor allem die Qualität der Matratzen entscheidet über erholsamen Schlaf. Wie oft Matratzen in Hotels gewechselt werden, dafür gibt es keine gesetzlichen Richtlinien. Es liegt im Ermessen des Hoteliers zu bestimmen, wann eine neue her muss. „Wir sorgen immer für einen 1a-Zustand der Betten, und sobald eine Matratze nicht mehr anständig gereinigt werden kann oder sogar Körperflüssigkeiten darauf sind, wechseln wir sie sofort aus. Meist trägt die Haftpflichtversicherung der Gäste diese Schäden, wenn sie durch sie verursacht wurden“, sagt Hoteldirektorin Anja Scharff vom Hotel „Mühle am Schlossberg“ in der Nähe von Kaiserslautern.

    Ihr stilvolles Haus arbeitet seit dem Jahr 2001 mit der Bettenmanufaktur Schramm zusammen, stattete damals alle Zimmer mit den speziell für Hotels konzipierte Bettenlinie Savoy aus. Seit drei Jahren sind die Zimmer mit einem Dutzend unterschiedlicher „Privat-Haushalt“ Betten von Schramm möbliert. Viele Gäste kommen, um ein oder zwei Nächte in unterschiedlichen Bett-Modellen Probenächte zu verbringen. „Eine ganze Nacht ein Bett auszuprobieren ist doch noch etwas anders, als ein paar Minuten in einem Bettengeschäft zu liegen“, sagt die Hotelbesitzerin. Auch Christiane Lösch im Pfälzer „Kloster Hornbach“ investiert regelmäßig in neue Schramm-Matratzen für die 48 Zimmer, lässt sie regelmäßig saugen und wenden, dazu grundsätzlich Moltonbezüge aufziehen.

    Sie hat sich bewusst gegen mit Kunststoff beschichtete Milbenüberzüge entschieden, obwohl diese bei der offiziellen Hotelbewertung mehr Punkte einbringen. „Ich finde die schlechte Durchlüftung auf diesen Überzügen einfach nicht angenehm, das Schlafen muss atmungsaktiv sein“, ist sie überzeugt. Auch sie macht Gäste bei starker Verschmutzung der Matratzen darauf aufmerksam, dass deren Haftpflichtversicherung für eine neue Matratze zahlt. „Manche sind so ehrlich und melden Schäden selber, aber einige Gäste denken, dass wir das nicht merken. Aber wir merken das, weil Betten für uns so entscheidend wichtig sind.“

    Im besten Fall wird das Hotelzimmer zu einer großartigen Dependance unseres Lebens, in das wir immer wieder kommen und das uns ein schönes Zuhause auf Zeit ist. Manche fühlen sich im Hotel so zuhause, dass sie bei der Abreise ihren mitreisenden Hausstand vergessen. „Ich finde manchmal ganze Anzüge versteckt im Bett, viele Kuscheltiere, Nachtwäsche - ich habe sogar einmal ein komplettes Hochzeitskleid gefunden“, sagt Anja Scharff von der „Mühle am Schlossberg“. „In den Schränken, unter und zwischen den Matratzen, unter den Betten, überall! Wir heben alle vergessenen Dinge auf, protokollieren Tag und Ort des Fundes und schicken die Stücke selbstverständlich gratis nach.“ Dieser Nachschick-Service ist in guten Hotels Usus. Nur ein ungeschriebenes Gesetz gilt: niemals selber den Gast anrufen und auf das Vergessen aufmerksam machen! Unbedingt warten, bis er sich meldet. Denn zu groß ist die Gefahr von ungewollten Indiskretionen, sprich eventuellen Eifersuchtsdramen. In Hotels stehen nun einmal Betten, die auch außerplanmäßig kreativ genutzt werden können.

    Hoteliers müssen diskret sein. Hört man sich bei ihnen um, können alle von erzürnten Ehefrauen oder ausflippenden Ehemännern erzählen, die die Rezeptionen deutscher Hotels bei zu frühen Fundmeldungen mit hysterischen Anrufen bombardieren. Die dramatischsten Fälle, besonders in der Luxusbranche,  sprechen sich in der Szene in Windeseile herum. „Auch wir haben leider einmal eine Ehekrise ausgelöst, als wir ungefragt etwas nachgeschickt haben, die Ehefrau das Paket aufmachte und dann feststellte, dass ihr Mann mit einer ihm nicht angetrauten Dame bei uns gewesen war. Nun rufen wir nur noch ungefragt Stammgäste an, die etwas vergessen haben und deren Begleitung wir genau kennen. Die anderen müssen bei uns nachfragen“, berichtet Christiane Lösch von Kloster Hornbach. Ihr ungewöhnlichster Fund - neben Aufladekabeln von Handys, Nachthemden, Wäsche und Shampoos  - war ein kostbarer Brillantring von zwei Karat, den das Zimmerpersonal entdeckte, bevor die Besitzerin sich des Verlustes bewusst war. „Die Dame hat sich so gefreut, als wir ihr den Ring geben konnten und kommt bis heute gerne zu uns“, sagt Lösch.

    Auch für die Bad Driburger Hoteleigentümerin Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff ist das kostenlose Nachschicken von vergessenen Gegenständen in ihrem exklusiven Haus „Gräflicher Park Grand Resort“ Alltag. Meist schickt ihr Team Wäsche oder Aufladekabel nach, aber manchmal passieren Dinge, die selbst erfahrenes Personal mehr als schmunzeln lassen: „Einmal rief ein vollkommen aufgelöster Gast an und sagte, er habe ein Massagegerät in seinem Zimmer vergessen, ob man es nachschicken könne,“ erzählt Gräfin Oeynhausen. „Wir fragten uns, was denn dieses ominöse Massagegerät sein könne, das ganze Personal stellte das Zimmer komplett auf den Kopf, suchte und suchte, schließlich fanden sie „ein erotisches Frauenspielzeug“, wie unsere Hausdame sagte. Wir haben dann den Vibrator natürlich gerne nachgeschickt. Dem Herrn war es wahnsinnig peinlich. Und wir hatten eine Anekdote mehr!“.

    Eine andere im Driburger Hotel residierende Dame, die ihren Schminkkoffer vergessen hatte, war so versessen auf dessen Inhalt, dass sie sich nicht auf den kostenlosen Nachschick-Service einließ, sondern gab Anweisung, den Schminkkoffer sofort auf eigene Kosten mit dem Taxi nachkommen zu lassen. Kosten 300 Euro, viel teurer als die Hotelübernachtung. „Wir haben uns schon gefragt, was da Dringendes drin war“, lacht Gräfin Oeynhausen. Sie selbst vergisst übrigens regelmäßig ihre eigenen, mit Wappen bestickten Kopfkissen in anderen Hotels, die sie mitnimmt, um Wirbelsäulenproblemen vorzubeugen. „Für mich sind verschiedene gute Kopfkissen in einem fremden Bett einfach das Wichtigste! Leider gibt es die viel zu selten.“

    So viel für heute aus deutschen Hotelbetten - wie es in anderen Ländern aussieht, darüber werden wir auf diesem Blog auch noch berichten. Laut Analyse der Welttourismusorganisation reisten im Jahr 2015 fast 1,2 Milliarden Menschen um die Welt. Stoff für unendlich viele Bettgeschichten zum Träumen – aber Ihnen erst einmal: gute Reise & schlafen Sie schön, wo immer ihr nächstes Hotelbett stehen mag!


    Weitere Informationen über die Hotels:

        www.muehle-schlossberg.de
        www.kloster-hornbach.de
        www.graeflicher-park.de
        www.schmucke-witwe.de

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  3. Die Matratze passt sich dem Schläfer an

    ALSENBRÜCK-LANGMEIL: Boxspringbetten sind seit mehr als 90 Jahren Kernstück der Firma Schramm – Federverarbeitung per Hand.

    Erschienen in: Die Rheinpfalz, 05.09.2016, Lokal > Kirchheimbolanden


    Boxspringbetten sind  in Mode. Das zeigt sich  beim Blick in Möbelkataloge und Werbeprospekte. Bei Betten Schramm in Alsenbrück-Langmeil sind diese Zwei-Matratzen-Systeme allerdings nicht neu, sie bilden seit mehr als 90 Jahren das Kernstück der Betten-Manufaktur, die mittlerweile in dritter Generation von Gründer-Enkel   Axel Schramm geführt wird.

    Boxspringbetten  wirken einladend gemütlich mit ihren  mächtigen Matratzenauflagen, Erkennungsmerkmal auf den ersten Blick ist das imposante  Kopfteil, das es ebenso wie die Umrahmung in zahlreichen Farben und Materialien gibt. „Wir können da nahezu jeden Kundenwunsch erfüllen“, sagt Angela Schramm. Eine riesige Auswahl an Stoffen und Bezügen ist im Ausstellungsraum des Hauses zu sehen.  „Hier  schulen wir ausführlich und oft die Mitarbeiter der Möbelhäuser, die unsere Betten verkaufen“, sagt die Firmenchefin, ausschließlich Fachgeschäfte, die mit hohen Qualitätsprodukten arbeiten. Bei den Schramm’schen Betten geht es in erster Linie um die günstige Schlafposition und das Schlafklima.  Die obere Matratze passt sich den anatomischen Voraussetzungen des Schläfers an, die untere wirkt wie ein Stoßdämpfer. Für das gute Schlafklima sorgen die luftdurchlässigen Hohlräume, in denen die Luft zirkuliert. Sie geben die Feuchtigkeit ab, die der Mensch in der Nacht in sein Bett schwitzt.  

    Einzigartig ist  die Verarbeitung der Federn in reiner Handarbeit. In unterschiedlichen Härtegraden werden sie von Näherinnen in kleine Säckchen genäht, die, aneinander getackert, zum „Herzstück“ der Schramm’schen Matratzen werden.  Versehen werden sie mit Latexauflagen und abgedeckt mit Materialien wie Seide, Kaschmir und Jute. Lösungsmittel kommen in dem Matratzenaufbau nicht zum Einsatz.  So wird sichergestellt, dass der Schläfer keinen Giftstoffen ausgesetzt ist.

    Polsterer, Holzmechaniker und Näherinnen werden bei Schramm ausgebildet, dazu Menschen in kaufmännischen Berufen. „Wir müssen unsere Leute selbst ausbilden,  es wird bei uns viel Spezialwissen gebraucht“, erklärt Angela Schramm.  Schön sei, dass  bisher alle Azubis übernommen werden konnten. „Das geht natürlich  nur, weil  die wirtschaftliche Entwicklung das hergibt.“  Auch Schulpraktikanten seien im Betrieb immer willkommen.

    Die Firma liefert in erster Linie ins europäische Ausland, nach Russland und neuerdings vermehrt in den asiatischen Raum. Die modischen Vorlieben in diesen Kulturkreisen unterschieden sich kaum von denen deutscher Kunden. Solide, schlicht und zurückhaltend wertvoll, so charakterisiert Angela Schramm das, was Kunden unter  Luxus verstehen. Die Zeiten von Pomp und Glitzer seien hier vorbei. Gedeckte Farben seien gefragt.

    Ab etwa  2000 Euro sind die einfacheren Matratzen zu haben. Die „Grand Cru“, die Luxusvariante und das Flaggschiff des Unternehmens mit dem Dreimatratzen-Aufbau, kann als Doppelbett je nach Ausstattung gut und gerne  20.000 Euro kosten – allerdings auch nur, wenn auf die motorisierte Variante verzichtet wird. Sonst wird es mehr. Dass das „zu teuer“ sei für eine Matratze entkräftet Angela Schramm mit einem Rechenbeispiel. Alle 6,5 Jahre kauft der Deutsche im Schnitt ein neues Auto  „und da wird an Luxus und Sonderausstattung meist nicht gespart“. Dagegen kaufe er sich nur alle 13,5 Jahre eine neue Matratze –  im Bett verbringe man im Schnitt sieben Stunden pro Tag, im Auto dagegen nur eine.

    Neben Privatkunden, die in erster Linie über Bettenfachgeschäfte bestellen und dabei detailgenau ihre Wünsche angeben können,  liefert Betten Schramm auch an Hotels. „Die Menschen sind anspruchsvoller geworden, was ihren Schlaf anbelangt, und das haben manche Hotels aufgenommen“, sagt die Firmenchefin. Auch hier sei das Argument, dass die Matratzen für den Hotelbetrieb zu teuer sei, leicht zu entkräften. „Die Lotions und Cremes, die viele Hotels für ihre Kunden gratis bereitstellen, kosten mindestens zwei Euro das Stück“, rechnet sie vor. Über die Jahre betrachtet komme da eine stattliche Summe zusammen. Doch es sei den Hotelgästen sicher  wichtiger, gut zu schlafen, als  sich kostenlos zu waschen.

    Die Liebe zu ihrem Unternehmen hat das Ehepaar offensichtlich auch den Kindern weitergegeben. Philipp, Marisa, Paula und Michel – zwischen 20 und 25 Jahre alt – sind in den Werkstätten quasi  groß geworden,  kennen jeden Bereich des Unternehmens und haben überall schon mitgearbeitet. Sie alle sind derzeit noch in Ausbildung und Studium.  2023, wenn das Familienunternehmen sein 100-jähriges Bestehen feiert,  sollen sie ihre Eltern in der Unternehmensleitung  ablösen –  und das Familienunternehmen in vierter Generation weiterführen.

     

     © Rechte für Text vorbehalten. RHEINPFALZ Verlag und Druckerei GmbH & Co. KG, Ludwigshafen.

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  4. Schöner schlafen



    Lange Zeit haben wir Deutsche das Schlafzimmer vernachlässigt. Jetzt richten wir es endlich wohnlich ein. Zum Beispiel mit Boxspringbetten.

    Von Olga Scheer

     

    Die Deutschen sind doch ein etwas merkwürdiges Volk: Dass wir unserem Schlafzimmer so lange Zeit so wenig Beachtung geschenkt haben! Und das, obwohl wir in keinem anderen Zimmer so viel Zeit verbringen wie in dem Raum, der uns zur Ruhe kommen lässt. 7 Stunden und 45 Minuten schläft jeder Deutsche im Durchschnitt, das heißt, ein Drittel jedes Tages verbringt er im Bett. Unter Topmanagern stand die Anzahl der zu wenig geschlafenen Stunden lange Zeit symbolisch dafür, wie leistungsbereit man ist. Diese Einstellung ist gewagt. Mit weniger als sieben Stunden kommen die wenigsten aus, sagt die Neurologin und Schlafforscherin der Berliner Charité, Carolin Schäfer. Schlafen gehört genauso wie Essen zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Bekommt man zu wenig davon, ist es schlecht.

    Nach Ernährung und Fitness scheint Schlafen folgerichtig das nächste große Lifestyle-Thema zu sein. Und jetzt ändert sich hierzulande auch die Haltung zum heimischen Ruheraum. Den Rest der Wohnung haben viele schon vorher umgekrempelt. Sofalandschaften dominieren inzwischen die Wohnzimmer und haben unbequemes Mobiliar längst ersetzt. Auch die Essbereiche haben sich im Laufe der Zeit verändert. Erst erhielten Esstische Einzug in die Wohnküchen, dann die Küchen Einzug in den Wohnbereich. Nun folgt der Wandel des privatesten aller Zimmer. "Die Leute wollen jetzt auch ihr Schlafzimmer wohnlicher gestalten", sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

    Wirft man einen Blick in die Kataloge der Möbelindustrie, sieht man schnell, wohin der Trend geht. Vor einigen Jahren kannte man die sogenannten Boxspringbetten nur aus amerikanischen Luxushotels. Sie wirken imposant und gemütlich, bestehen aus jeder Menge Polster und haben eine bequeme Einstiegshöhe und ein hohes Kopfteil, an das es sich anlehnen lässt wie an ein Sofa. Mittlerweile sind sie auch zunehmend in deutschen Schlafzimmern zu finden.


    Boxspringbetten liegen im Trend

    In diesem Jahr werden wohl eine Million Boxspringbetten verkauft. Im Vergleich zum Jahr 2013 würde sich der Absatz damit vervierfachen. Etwa jede sechste neu erworbene Matratze entfalle inzwischen auf das Boxspringmodell. Der Verband der Deutschen Möbelindustrie schätzt, dass Boxspringbetten mit 1,5 Milliarden Euro ein Drittel des gesamten Bettenumsatzes ausmachen, Tendenz steigend.

    Aber was sind das überhaupt für Betten, in denen sich immer mehr Deutsche zur Ruhe legen? Boxspring bedeutet so viel wie "Kasten mit Federn" und bezeichnet das spezielle Untergestell der Betten. Beim Boxspringbett liegt die Matratze nicht auf einem Lattenrost, sondern auf einer gefederten Untermatratze, die wie ein Stoßdämpfer fungiert.

    Wer sich in Einrichtungshäusern umschaut, kommt an dem neuen Betten-Trend nicht mehr vorbei. Selbst das Möbelhaus Ikea, Marktführer im Segment der günstigen Rahmenbetten, bietet mittlerweile Betten in Boxspringoptik an. Zu erhalten sind sie ab 528 Euro. Sie verfügen aber nicht über den klassischen Unterbau, sondern über einen Lattenrost. Ein echtes Boxspringbett bekommt man in Möbelhäusern von 1000 Euro an. Neben den deutschen Herstellern findet man auch viele ausländische Marken wie Hilding Anders, Hästens und Treca. Für ein qualitativ hochwertiges Boxspringbett sollte man mindestens 2000 Euro veranschlagen, sagt Jürgen Weyrich von der Gesellschaft für Konsumforschung.


    Das Bett als Rückzugsort

    Ursprünglich stammen Boxspringbetten aus dem skandinavischen Raum. Auch in Deutschland gab es früh einen Hersteller des Zwei-Matratzen-Systems. Karl Schramm, Sattler und Polsterer, war es gewohnt, vor der Herstellung eines Sattels den Rücken der Pferde abzutasten. Danach wusste er, wie der Sattel zu sein hatte. Das gleiche Prinzip verwendete er für die Herstellung einer Matratze. 1923 gründete er im pfälzischen Winnweiler eine Sattlerei und Polsterei. Das daraus hervorgegangene Familienunternehmen besteht mittlerweile in der dritten Generation. Nun wird es auf Rang 11 der deutschen Top-Luxusunternehmen geführt. Der Pfälzer Betrieb versteht seine Betten aber nicht als reines Luxusprodukt. 4300 Betten und noch mal so viele Matratzen wurden im vergangenen Geschäftsjahr in den Schramm Werkstätten hergestellt. Knapp 30 Millionen Euro betrug der Umsatz. Gut ein Drittel der Waren werden ins Ausland exportiert.

    Noch heute ist die Herstellung der oberen Taschenfederkernmatratze Handarbeit. Die Mitarbeiter der Schramm Werkstätten nähen die Stahlfedern einzeln in kleine Baumwollsäckchen ein, die in Matratzenlänge aneinanderhängen. Für den Hüftbereich werden stärkere Federn verwendet, für die Schulterpartie etwas schwächere. Ein paar Stationen weiter wird der Taschenfederkern mit etlichen Lagen aus Baumwolle, Schafschurwolle, Naturlatex, Seide und Leinen gepolstert und zur fertigen Matratze vernäht. Auch die Herstellung der gefederten Untermatratze ist mit ähnlich viel Handarbeit verbunden..

    Beim Boxspringsystem ist die Obermatratze auf die Maße des Kunden abgestimmt, während die Untermatratze die Bewegungen abfedert. Dadurch entstehe eine bessere Körperanpassung, sagt Angela Schramm, die Ehefrau des Gründerenkels und Geschäftsführers Axel Schramm. Beim Lattenrostsystem erfolgt die Körperanpassung indirekt über die Unterfederung, nämlich den Lattenrost. "Die Leute, die heute zu uns kommen, interessieren sich viel mehr für das Thema Schlaf", sagt Angela Schramm. "Das Bett ist für sie ein Rückzugsort, an dem man das Handy auch mal ausschalten kann und von der Welt für einen Moment nichts mitbekommt. Sie kommen zu uns, weil sie gut schlafen wollen."


    Ein teures Bett allein genügt nicht für den guten Schlaf

    Und das kostet. Ein 1,80 Meter breites Doppelbett von Schramm ist von 4800 Euro an zu haben. Je nach Ausstattung können es bis zu 50 000 Euro werden. Bei der Luxusvariante, dem "Grand Cru", thronen sogar zwei Taschenfederkernmatratzen auf der Untermatratze. "Wenn man bedenkt, wie viel Zeit man letztlich im Bett verbringt, sollte man nicht an der Qualität sparen", sagt Angela Schramm. "Und die hat ihren Preis." Beim Autokauf würden die Kunden, ohne mit der Wimper zu zucken, den Aufpreis für Lederbezüge und Sitzheizung bezahlen. Kaum jemand sitze so viel im Auto, wie er im Bett liegt.

    Die Schramm Werkstätten führen auch eine Linie für Hotels. Das Schloss Elmau, in dem vergangenes Jahr der G-7-Gipfel stattfand, ist beispielsweise mit Schramm-Betten ausgestattet. Doch auch für Hotelkunden muss Angela Schramm erst eine einfache Rechnung aufmachen. Ausgegangen von einer Haltbarkeit der Matratzen von zehn Jahren, kostet die Hotelbetreiber eine Matratze nach ihrer Rechnung 1,28 Euro je Nacht. Für ein Fläschchen Duschlotion sind sie bereit, mehr als das auszugeben. Dabei kommen die meisten Gäste zum Übernachten ins Hotel - und nicht, um sich zu waschen.

    Dass man in Boxspringbetten auch im wissenschaftlichen Sinn besser schläft, ist allerdings nicht erwiesen. Den Forschern zufolge ist es vor allem wichtig, dass man vor dem Schlafengehen zur Ruhe kommt und abschalten kann. Im Traum wird das zuvor Erlebte verarbeitet. Das sei ein wichtiger Prozess, um neue Kraft schöpfen zu können, sagt Schlafforscherin Carolin Schäfer. Auch sein Handy sollte man nachts ausschalten.

    Eine teures neues Bett allein genügt also nicht, um besser zu schlafen. Das weiß auch Angela Schramm, Wunder verspricht sie nicht: "Oft kommen Leute mit Schlafproblemen zu uns, die psychologischer Art sind. Denen können wir zwar ein gutes Bett verkaufen, sie aber nicht gesund machen."

    Andere Wünsche, auch wenn sie ausgefallen sind, erfüllen die Werkstätten hingegen ohne Einschränkungen. Der Bürgermeister von Schanghai bettet sich beispielsweise in einem pinkfarbenen Schramm-Bett. Die Deutschen hingegen bleiben lieber bei unauffälligen Grau- und Blautönen, berichtet Angela Schramm. Aber vielleicht ändert sich ja auch das noch mit der Zeit.

     

    © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

    Erschienen in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.08.2016, GELD & MEHR (Geld und Mehr), Seite 36, Olga Scheer

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  5. Bettgeschichten No. 2


    Und was tragen Sie im Bett?


    Von Schlafsocken, Pompom-Pantoffeln, Mickey-Maus-T-Shirts und Seidenpyjamas


    Von Stefanie von Wietersheim

    Hatten Sie auch eine Großmutter, die Bettsocken für Sie häkelte? Ich hatte eine, und bekam jedes Jahr ein neues Paar aus weißer, roter oder dunkelblauer Wolle geschenkt. Die Maschen dicht an dicht gesetzt, der Stoff warm und umfangend. Meine Großmama kam aus der Generation, die in einem bodenlangen weißen Leinen-Nachthemd, einem Glas Wodka und einem Roman von Fontane zu Bett ging, natürlich mit Chanel No. 5 parfümiert. Sie hatte viele kalte Winter erlebt, Bettsocken waren für sie wie Pelzmäntel ein ganz normaler Teil des Kleiderschranks. Immer wenn sie uns besuchte, vermaß sie meinen Fuß, schrieb die Ziffern in gestochen scharfer Schrift auf einen Zettel, setzte sich hin und häkelte los. Nach einer Woche waren die perfekt gemaschten Bettsocken dann fertig, und sie streifte mir eigenhändig das neue Modell über, wenn ich abends im Bett eingekuschelt lag. Großmama schnürte mir die Socken am Knöchel mit einem ebenfalls gehäkelten Band zu, wie richtige Schuhe. Sie waren warm, locker, ich spürte den Luftzug unter meiner Daunendecke, wenn ich die Füße bewegte. Nachts verlor ich sie aber oft und musste sie morgens aus den Untiefen der Decken herausfischen.

    Diese maßgefertigten Bettsocken sind in meiner Erinnerung der Inbegriff einer vergangenen Bettmode. So wie lange weiße Nachthemden für Herren, taillierte Bettjäckchen, Nachthäubchen und Boudoir-Pumps. Boudoir-Pumps? Sie wissen schon: Diese hochhackigen Indoor-Pumps aus Satin mit dem Fell-Pompom vorne, die heimtückisch gemütlich aussehen, in denen man aber vom Bett nicht einmal zur ersten Tasse Morning Tea kommt, ohne sich den Fuß zu verstauchen. Schade eigentlich. Denn warum sollen unsere Beine im Schlafzimmer nicht genauso gut aussehen wie in der U-Bahn, in der Bar oder im Theater? Und unsere Bett-Kleider gleich sowieso? Chanellig-schick, urban cool oder mit Accessoires extravagant gestylt? Ab sofort arbeite ich an einer Moderevolte im Schlafzimmer. Ich will taillierte Bettjäckchen aus gesteppter Baumwolle, Lesecapes aus Kaschmir, Nightcup-Mäntelchen aus Seidenchiffon, bestickte Samtpantoffeln mit kleinen Absätzen, die gut zur nackten Haut sind -  und knöchellange Nachthemden mit anständigem Schnitt.

    Klar, bequem soll es im Bett sein. Locker. Unangestrengt. Deshalb schlafen die meisten Menschen - egal ob Männer oder Frauen - heute in Pyjamas. Grundsätzlich ein herrlich elegantes Kleidungsstück mit großer Geschichte, Fashion-Pfeiler jedes Kleiderschranks neben dem Little Black Dress, Jeans und weißem T-Shirt. Aber in der Praxis möchte der modeinteressierte Zeitgenosse eher nicht wissen, wie viele zerbeulte Jerseylappen mit hüpfenden Mickeymäusen oder grinsenden Kakteen darunter sind. Prominente, die regelmäßig zu den „Best-Dressed-People“ gekürt werden, entscheiden sich nicht ohne Grund meist für den klassischen unifarbenen oder gestreiften Pyjama. Ausgesprochen unterhaltsam ist die Instagram-Mode bei Prominenten, Fotos von sich und der Familie in möglichst ausgefallenen Schlafanzügen vor dem Weihnachtsbaum zu posten. Im vergangenen Winter waren das - definitiv nicht von jedem zu tragen -  sogenannte Onesies, Ganzkörperanzüge mit Reißverschluss. Aus Frottee, Jersey oder Seide. Früher nannte man das Strampelanzüge. Diese Onesies habe ich ab und zu in Läden gesehen, aber bisher noch nicht am lebenden Objekt. Kein Wunder: Nach einer Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2009 schlafen fast 50 Prozent der Deutschen in Pyjamas, 15 Prozent in Nachthemden, 16 Prozent in T-Shirts, 12 Prozent in Unterwäsche. Auf splitterfasernacktes Schlafen schwören immerhin fünf Prozent aller Deutschen.

    Wenn wir das Schlafen vom modischen Blickwinkel aus betrachten, so ist der Siegeszug des Pyjamas in die europäischen Betten ein Paradebeispiel für die frühe Globalisierung und geniale Umwidmung von Mode. Pyjama – dieses Wort stammt aus dem Persischen und bedeutet einfach „Beinkleidung“. In Asien, besonders in Indien, wurde diese lockere Hose aus Baumwolle oder Seide traditionell tagsüber getragen, britische Kolonialherren brachten sie bereits ab dem 17. Jahrhundert mit nach Europa. Die Europäer trugen diese Pyjama-Importe, Kopien oder fantasievolle Abwandlungen als Freizeit- und Schlafanzug. Zu den lässigen Hosen wurden passende Hemden geschneidert. Natürlich nur für die Männer, denn bis in die 1920er steckten die Damen in Fischbeinkorsetts, Schnürmiedern und mehrschichtigen Unterröcken fest. Nachts trugen sie lange, hemdartige Kleider. Nach dem Ersten Weltkrieg, der Ära der absoluten Moderevolution, übernahmen auch die europäischen Damen Pyjamas in ihren Kleiderschrank. Hosen am Tag - shocking! Hosen in der Nacht - der Skandal! Die visionäre Coco Chanel war eine der ersten, die den Pyjama als Abendanzug und Strandoutfit interpretierte, hoch elegant gegürtet, am besten getragen von sehr schlanken und sehr großen Frauen. Seitdem ist er aus keinem Kleiderschrank mehr wegzudenken.

    Der Siegeszug des Pyjamas bei den Herren war der Untergang der traditionellen, knöchellangen weißen Männernachthemden. Diese wallenden Nachtgewänder aus Baumwolle und Leinen gibt es heute nur als Vintagestücke im Internet zu erwerben oder in sehr wenigen, exklusiven Old-School-Herrengeschäften. Wenn Männer Nachthemden tragen, sind sie meist aus kniekurzem bunten Jersey oder sehen aus wie überlange Oberhemden, manchmal aus Flanell, mit schottischen Karos. Der Mut zum langen weißen Männernachthemd scheint ein Relikt aus Downton-Abbey-Zeiten. Schade eigentlich. Denn ein großer Mann in einem langen weißen Gewand kann geradezu königlich wirken – und wer möchte nicht einen König im Bett treffen?

    Und die armen Negligés, aufwändige Ensembles aus Nachthemden mit spitzenbesetzten Mäntelchen, all die Flatterärmel und geheimnisvollen Schichten an Crêpe und Duchesse-Seide – wunderbare Dinge, die früher zu einer eleganten Garderobe gehörten? Die feinen Träger, leicht provozierenden Ausschnitte und breiten Satin-Gürtel? Dem Pyjama und der notwendigen Praktikabilität des schnellen Alltags zum Opfer gefallen. Sie bleiben ein Luxus-Hobby von Frauen, die ihre Weiblichkeit zelebrieren und schöne Stoffe lieben. Als museumswürdige Prachtstücke in diesem Stil gelten die Nachthemdem, die die umstrittene Wallis Simpson, die spätere Duchess of Windsor und Ehefrau des ehemaligen englischen Königs Edward VIII. ab den 1930er Jahren trug: elegante französische Couture-Kleider aus Seidenchiffon, viele in zartrosa, pink und tiefrot. Mit schwarzer, sehr durchsichtiger Spitze und Handstickerei. Immer dazu passend ein „capelet“, ein ganz kurzes Cape über den Schultern oder einen dramatischen langen Übermantel. In England wurde bis vor kurzem darüber spekuliert, ob die zweimal geschiedene Geliebte des Mannes, der für sie 1936 auf den Thron verzichtete, ihn wohl auch mithilfe dieser „racey nighties“ um den Verstand gebracht habe. Eines dieser Stücke, ein scharlachrotes Chiffonnachthemd, das die britische Modejournalistin Suzy Menkes in ihrem Buch „The Windsor Style“ zeigt, wurde im Jahr 2011 bei Kerry Taylor Auctions für 5500 britische Pfund verkauft; ein zweites, elfenbeinfarbenes Nachthemd mit Stickerei kam ebenfalls unter den Kammer.

    Solche Couture-Stücke wie die der Wallis Windsor stellen heute nur noch sehr wenige Ateliers her, darunter Cadolle, Carine Gilson und Sabbia Rosa in Paris. Sammlerinnen dieser Unikate bauen über Jahre und Jahrzehnte Kollektionen mit Stücken dieser Meisterschneiderinnen auf, manche tauschen sich  - für die staunende Leserin sehr interessant - auf Internetforen über neue Fänge aus. Ob wir von solchen Couture-Stücken träumen oder nicht – seien wir froh, dass zumindest unser Kopf heute unbedeckt ruhen darf. Bis in die 60er-Jahre schliefen viele Damen der westlichen Welt auf Nackenrollen, die Haare auf Lockenwickler gelegt, darüber ein feines Netz gespannt, um die Frisur nicht zu zerstören. Eine Art Nacht-Korsett für den Kopf. Die Erlösung davon kam durch die entspannten Fönfrisuren ab den 1970er Jahren. In den 1980ern schliefen dafür dann manche Fashion Victims mit Papilotten, diesen biegsamen Styroporwürsten, die lässige Locken beim Aufstehen versprachen. Meist sah es aus wie eine schlechte Krause, und die Papilotten verschwanden so schnell aus den deutschen Betten, wie sie gekommen waren.

    Neulich habe ich im Ausverkauf ein bodenlanges, fuchsiafarbenes  Seidennachthemd eines berühmten italienischen Dessous-Herstellers gefunden, das nicht ganz, aber fast so schön ist wie ein Wallis-Windsor-Kleid. Eigentlich ist es zu schön zum Anziehen. Nun hängt es an der Tür zum Bad und sieht aus wie eine märchenhafte, textile Skulptur. Und ich träume seit diesem Kauf von einem sanft beleuchteten Schrank vor meinem Bett. Nur gefüllt mit Boudoir-Mode, die kaum zu finden ist. Ich träume von leicht taillierten Nachthemden aus Seidenjersey oder Leinen, in nachtblau, weiß und camel, mit passenden Kaschmirboleros. Von gegürteten Pyjamajacken mit Seidenaufschlägen. Von indischen Schals und leichten Strümpfen, die keine Abdrücke auf der Haut hinterlassen. Von Ballerinas mit hauchdünnen Ledersohlen, passend zu Farbe eines jeden Ensembles. Puderfarben, weiß, dunkelblau, schwarz. Ethno-bunt. Bettsocken? Ja. Auf alle Fälle Bettsocken. Und Fontane.



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